Online-Content: Was den Deutschen entgeht

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Achja, das ewige Problem mit den Content-Anbietern. Jeder von euch kennt wohl den altbekannten Text auf YouTube, dass das gewünschte Video nicht aufrufbar ist, weil die GEMA keine Rechte eingeräumt habe. Vornehmlich bekommen wir das bei Musikvideos oder Videos, in denen Musik enthalten ist, zu spüren – und es nervt. Das soll aber jetzt kein Hate-Blog gegen die GEMA werden oder sowas.

Denn ich habe mich mal auf die Suche gemacht und wollte schauen, was uns Deutschen da entgeht. Was bekommen die Leute in den USA angeboten, was zahlen Sie dafür? Und dabei offenbarten sich mir viele Facetten.

Wichtig ist hierbei jedoch zu beachten, dass ich konkret von den USA als Beispiel ausgehe. Daher ist der Titel eigentlich nicht ganz korrekt, denn bereits den Kanadiern entgeht einiges, aber ich wollte es mal direkt mit Deutschland vergleichen.

Fangen wir also mit Musik an. Hier sieht es in Deutschland prinzipiell gar nicht so schlecht aus, wie alle behaupten. Zwar ist auf YouTube eher tote Hose, jedoch bieten Dienste wie Simfy oder Videoportale wie MyVideo schon einiges mehr an Musik. Auch auf MTV finden sich Musik-Videos. Aber trotz allem ist der Content insgesamt eher beschränkt. Ein Blick auf die USA zeigt da, wo die Standards liegen.

Da gibt es zum einen Spotify. Der Dienst ist so ziemlich das Non plus ultra, was Online-Musik angeht. Mit einem Freemium-Modell werden dabei alle Kunden bedient. Möchte man nur gratis Musik hören, kann man das legal am PC mit der Software tun. Möchte man mehr haben (z.B. Werbefreiheit oder Offline-Nutzung) muss man eben zum Premium-Angebot greifen.

Man muss aber auch ehrlich sagen, dass Spotify z.B. durch den Facebook-Zwang (Registrierung nur über Facebook möglich) alles andere als perfekt ist. Aber das sind eher Dinge, die man schnell umgehen kann.

Ein deutsches Pendant zu Spotify wäre noch Rdio. Das Angebot, welches jedoch grundsätzlich kostenpflichtig ist, hat leider noch mit diversen Problemen zu kämpfen. Darunter fällt leider auch die Tatsache, dass noch immer viele Tracks nicht lizensiert wurden und daher nicht in Deutschland verfügbar sind.

Auch für Musikvideos gibt es neben YouTube selbst Seiten wie VEVO, die Musikvideos teilweise in HD anbieten, ohne eine Bezahlung oder Registrierung vorauszusetzen.

Während man als deutscher Besucher lediglich die Meldung bekommt, dass VEVO nicht verfügbar ist, bekommt man als US-Amerikaner schon einiges mehr geboten – darunter auch Live-Streams:

Doch es gibt ein “Feld”, wo die Unterschiede noch krasser sind: Serien.

Bei Serien ist das sowieso immer etwas seltsam. Mal kommen sie sehr spät nach Deutschland, da die Synchronisierung ewig dauert oder kein Sender die Serie kauft oder sie vorher noch im Pay-TV läuft, mal kommen sie früh, aber auch dann wird es problematisch. Denn Serien in Deutschland kann man zwar online gucken, aber meistens nur gegen Geld. Dafür gibt es dann Plattformen wie Maxdome, wo es als Belohnung die Serien teilweise vor der Ausstrahlung gibt. Auf den Seiten der Sender sieht es eher mau aus. Zwar gibt es auch hier Portale wie RTLnow , aber ein Blick offenbart schnell, dass hauptsächlich die Eigenproduktionen im Mittelpunkt stehen und man z.B. US-Serien kaum online sehen kann. Und auch die Qualität ist im Durchschnitt eher schwach.

Und auch hier zeigen uns die Amerikaner wieder, wie es gemacht wird. Prominentes Beispiel hier: hulu.com.

Auch hier muss man wieder differenziert schauen. Viele Serien gibt es nur kostenpflichtig in HD, aber die meisten kann man gratis anschauen. Ferner spricht auch nicht so viel gegen huluPlus. Für rund 8$ / Monat und wenig Werbung bekommt man Zugriff auf ein großes Portfolio an Serien und Filmen, die man teilweise in feinster HD-Qualität genießen kann.

Wir können sogar weiter gehen und uns z.B. die Seite des US-Sender NBC anschauen. In den USA ist es relativ üblich, dass zumindest die großen Sender auch auf ihren Homepages einige der letzten Serienepisoden anbieten. Und manche (z.B. CBS oder NBC) sogar in HD.

Man kann das noch ewig weiterführen. Gegen eine Gebühr kann man bei iTunes USA sogar viele Serienfolgen direkt nach der Ausstrahlung komplett werbefrei und ohne Senderlogo erwerben.

Ich könnte das noch etwas weiterführen und auf Portale wie Netflix eingehen (halte ich persönlich aber für nichts, keine Ahnung, wieso das alle so hypen), aber ich denke, man versteht meine Intentionen.

Mir geht es nicht um stupides Heulen und neidisch sein. Mir geht es darum, dass man sich in Deutschland über Raubkopien und angeblich zurückgehend Musik-Umsätze aufregt (zumindest innerhalb der Content-Industrie), während die Firmen in Amerika doch zeigen, dass es auch anders geht.

Ich habe mich mit der Situation in Deutschland nicht genau befasst. Ich weiß aber, dass die GEMA nicht der alleinige Sündenbock ist. Hier in Deutschland ist das ganze System momentan gegen das, was wir aus den USA kennen. Dabei steht die Content-Industrie schon seit längerer Zeit vor einer wichtigen Entscheidung. Wohin soll der Zug fahren? Soll es weiterhin so restriktiv bleiben oder ist eine Annäherung an das amerikanische Vorbild doch sinnvoll? Eins ist jedoch sicher: wenn das so weiter geht, wie jetzt, könnte sie ihren eigenen Zug verpassen.

 

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